Markus Maier - ein vielseitiger Hobbyist
Markus gehört zu den jungen und sehr aktiven Mitgliedern in unserer Gruppe. Als gelernter Gärtner hat er natürlich von Berufs wegen eine gewisse Schwäche für Pflanzen entwickelt.
Aber seine ganz besondere Liebe gilt den Orchideen und hier vor allem den Gattungen Cattleya und Masdevallia. Daneben versucht er sich auch noch an anderen Orchideengattungen.
 
Seine Kultur darf als überaus erfolgreich bezeichnet werden, was nicht zuletzt in den vielen Medaillen, die er bei Orchideenbewertungen erhalten hat, zum Ausdruck kommt. Das Geheimnis seines Erfolges lässt sich nicht so einfach erklären, aber etwas fällt dann doch schon Besonders auf:
Da ist zum Einen die Lage seines Gewächshauses - hoch oben auf der Schwäbischen Alb einsam auf einem Bauernhof gelegen - zu nennen.

Neben dieser exponierten Sonnenlage wird es daneben noch vom Hühnerstall auf der einen und vom Misthaufen auf der anderen Seite eingerahmt.So ist das ganze Jahr über eine mit Ammoniak beladene frische Luft garantiert, die sich sicherlich günstig auf das Wachstum der Pflanzen auswirkt. Eine weitere Stickstoffdüngung erübrigt sich also!
Neben diesen örtlichen Gegebenheiten aber dürfte zum Anderen vor allem die sehr sorgfältige, geradezu akribisch zu nennende Arbeitsweise von Markus ausschlaggebend für seine Kulturerfolge sein!
So dürfen neue Pflanzen erst dann in die Gemeinschaft der etablierten aufgenommen werden, wenn sie einige Zeit in Quarantäne in gebührender Entfernung vom Gewächshaus verbracht haben. Haben sie dies dann erfolgreich überstanden, dürfen sie sich auf die Gesellschaft im Gewächshaus mit den anderen Pflanzen freuen. Ebenso geht Markus sehr sorgfältig mit der Anwendung von Substrat um. Kein Substrat wird verwendet, wenn es nicht in der Mikrowelle einige Zeit behandelt worden ist.

Dieser sehr gewissenhafte Umgang mit seinen Pflanzen ist schliesslich auch die Grundvoraussetzung für die Erfolge, die Markus in der Anzucht von Jungpflanzen aufzuweisen hat. In einem von ihm dafür eigens fast unter Reinraumbedingungen eingerichteten Kelleraum werden die Orchideen unter keimfreien Bedingungen auf einer sterilen Werkbank von ihm auf ein Nährmedium ausgesät.

Wenn er dabei nicht sauber und steril arbeiten würde, würden so Pilze oder Bakterien in kürzester Zeit den sehr empfindlichen keimenden Samen zerstören und somit seine Arbeit zunichte machen. Die Samenkapseln werden von ihm mittels eines spitzen Gegenstandes durch Übertragung von Pollen der Blüte auf die Narbe einer anderen Blüte gewonnen. Da dies am Besten mit einem Zahnstocher gelingt, ist das, was da passiert, auch treffend mit Zahnstochersex zu beschreiben. Bis der Samen in der Kapsel herangereift ist, kann dies je nach Art und Gattung gut und gerne einige Monate dauern!

So muss das dabei zu verwendenede Nährmedium (die Zusammensetzung ist Markus streng gehütetes Geheimnis!) aufgekocht werden. Dann wird es in vorher keimfrei gemachte Gefässe wie Glasflaschen oder kleine Kunststoffbehälter mit im Deckel angebrachten Belüftungsschlitzen abgefüllt. Bis schließlich die Jungpflanzen in kleinen Töpfchen auspikiert werden können, durchlaufen sie mehrere Stufen vom Samen über den Embryo zu den noch unbewurzelten Protokormen, über die Keimlinge bis hin zu den kleinen Jungpflänzchen.

Dabei werden sie von Markus nach einer gewissen Entwicklungsphase - vor allem wenn der Platz für die Protokorme und Keimlinge zu eng wird - immer wieder aus den Gefässen entnommen und auf ein neues Nährmedium aufgebracht, d.h. umgelegt. Da Markus öfters die Pflänzchen umlegt, entstehen so besonders kräftige und gesunde Jungpflanzen, über die sich die Gruppenmitglieder dann alle freuen können. So ganz nebenbei darf dies auch durchaus als ein aktiver Beitrag zum Artenschutz und Arterhaltung gewertet werden!

Nicht zuletzt aber ist Markus auch aufgrund seiner Kreativität für die Gruppe ein unentbehrliches Mitglied. Diese findet besonders ihren Ausdruck in der Gestaltung der Ausstellungsstände für die Gruppe, wo Markus immer wieder mit neuen Ideen aufwartet. Auch in diesem Jahr hat er sich etwas ganz Besonderes zu den Neu-Ulmer Orchideentagen einfallen lassen. Ihr dürft alle sehr gespannt sein, was es wohl dieses mal sein wird. Lasst Euch überraschen!
Und so sieht der neue Stand aus: so "roh" fällt es vielleicht schwer, sich ihn mit "Leben" vorzustellen. Aber das läßt sich auf den Neu-Ulmer Orchideentagen nachholen und dann hoffentlich auch bewundern!!

Text: Wolfgang Ermert, Bilder: Wolfgang König und Wolfgang Ermert
|