Themen
Die Themen des Informationsstandes anlässlich der Neu-Ulmer Orchideentage 2010 sind nachfolgend aufgeführt:
Gießen und Düngen von Orchideen
Die Wahl des richtigen
Gießwassers ist einer der Grund- Voraussetzungen für gesundes Wachstum und
Blühen der Orchideen!
Leitungswasser - vor allem zu hartes - ist auf Dauer als
Gießwasser ungeeignet! Infolge der Verdunstung scheidet sich mit der Zeit auf
den Wurzeln und dem Substrat der beim Kochen in den Töpfen entstehende bekannte
„Kesselstein“(Calcium- und Magnesiumcarbonat) in Form eines weiß-gräulichen
harten Belages ab. Aufgrund der damit verbundenen „Verkrustung“ der Oberfläche
ist die Wurzel nicht mehr in der Lage, z.B. Wasser aufzunehmen – die
Pflanze stirbt ab!
Empfehlung: Verwendung von Regenwasser oder/und
enthärtetes Leitungswasser ist auf Dauer die einzig richtige Wahl als
Gießwasser.
Mineralwasser ist ungeeignet insbesondere bei hohem
Natriumgehalt!
Gießwasser sollte schwach
sauer sein (pH-Wert kleiner als 7)!
Alkalisches Gießwasser (pH-Wert größer als 7) führt
zum Abfaulen der Wurzeln! Damit ungekalktes Substrat auf Dauer nicht zu stark
sauer (pH-Wert kleiner als 4) wird, sollte mit einer Lösung von Calciumnitrat
(0,2g/l) hin und wieder abgepuffert werden. Zu niedrige pH-Werte verursachen
ebenfalls ein Absterben der Wurzeln!
Das Substrat sollte immer leicht feucht aber nie nass sein!
Zu hohe Nässe - insbesondere Staunässe - verursacht
unter anderem die Bildung von Pilzen, die zur Wurzelfäule führen. Den Wurzeln
fehlt infolge der Nässe der lebensnotwendige Sauerstoff, sie werden geschwächt.
Pilze können eindringen und im Extremfall stirbt die Pflanze ab!
Tipp: Testen sie das Substrat im Topf vor jedem Gießen
mit einem kleinen Holzstab auf noch vorhandene Nässe bzw. Feuchtigkeit!
Wird über längere Zeit nicht gegossen insbesondere
unter warmen und trockenen Bedingungen verliert die Pflanze infolge der
Verdunstung über die Blätter („Transpiration“) mehr und mehr Wasser. Dies
erkennt man an verwelkten („laschen“) Blättern. Solange
der Wassergehalt nicht unter 30 % sinkt, ist dieser Prozess umkehrbar
(reversibel). Darunter aber stirbt die Pflanze rasch und unwiederbringlich ab!
ORCHIDEEN BENÖTIGEN NUR EINE SEHR GERINGE KONZENTRATION AN DÜNGER!
Dünger gleichgültig ob auf Basis reiner
mineralischer Salze oder in „biologischer“ Form führen bei fortwährender
Verwendung einer zu hohen Dosierung bei
Orchideen zur Austrocknung der Pflanze. Dies erkennt man an verwelkten („laschen“) Blättern.
Infolge des höheren osmotischen Druckes der Düngerlösung
wird den Wurzeln das Wasser entzogen. Dadurch wird das Wassertransportsystem in
der Pflanze empfindlich gestört und kann in Folge zusammenbrechen! Bei einem
Wasserverlust von über 70 % ist dieser Vorgang nicht mehr umkehrbar – die
Pflanze stirbt ab!
Da Orchideen sehr wenig gelöste Mineralsalze
enthalten, muss die Konzentration an Dünger dementsprechend niedrig gewählt
werden und sollte etwa 1g/l auch in der Wachstumsphase nicht überschreiten
(abhängig von der Orchideenart!).
Wie dünge ich meine Orchideen am Besten?
(Vorab: Es gibt hierfür nicht die einzig
richtige Methode, aber die folgenden praktischen Tipps könnten hilfreich sein!
Versetzen sie das Gießwasser immer mit
einer kleinen Menge an Dünger (etwa 100-200 mg/l) (etwa 200µS).
Diese Art der „Bewässerungsdüngung“
vermeidet einmalige hohe,kritische,
da leicht zur Überdüngung führende Düngergaben!
Spülen sie das Substrat von Zeit zu Zeit mit
Regenwasser durch
So können sie die gefürchtete
Überdüngung in den Griff bekommen!
Unterstützen sie die Pflanze in ihrem
Wachstumsprozess
(mehr Stickstoff N für die Wachstums-, mehr Kalium K und Phosphat
P für die Blüte- und Ruhezeit).
Prüfen sie den im Handel angebotenen Dünger
kritisch auf seine Tauglichkeit für Orchideen auf
genaue Konzentrationsangaben in der Anwendung des Düngers.
Angaben wie bspw. „alle 14 Tage dem Gießwasser 5 ml zusetzen“
sind wenig aussagekräftig und führen zum gefürchteten „Blindflug“.
Ausgewogenheit in der Zusammensetzung (N: P: K etwa
1:1:1) bei Verwendung eines „Universaldüngers“.
Gehalt an Harnstoff:
Orchideen-Dünger,
die Harnstoff (Carbamidstickstoff) enthalten sind für Orchideen ungeeignet
(insbesondere in fester Form). Durch den langsamen Zerfall in Ammoniumionen
wird die Konzentration an „Stickstoff“ N unkontrollierbar und das Substrat stark
alkalisch (pH-Wert 8,5). Zudem führt Harnstoff zu einer Erweichung des Gewebes.
Der Wurzeltod ist somit vorprogrammiert!
Schädlings- und Pilzbefall von Orchideen
SCHÄDLINGSBEFALL
Es gibt eine Vielzahl von Schädlingen, die die Orchideen
befallen können: Blasenfüße (Thripse), Rote Spinne, Trauermücke, Schild- und
Wollläuse, Wurzelmilben und Blattläuse in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Auch
alle möglichen Arten von tierischen Schädlingen wie
Schnecken, Käfer, Kellerasseln usw. treten bei Orchideen auf!
Wichtig ist, dass man die jeweilige Schädlingsart
rechtzeitig erkennt, um sofort entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.
Im Falle von Schild-, Schmier- oder Wollläusen sind
die älteren Stadien der Tiere durch ein Schutzschild oder durch Wachsausscheidungen
von außen gut geschützt, sodass Pflanzenschutzmittel kaum eine
Angriffsmöglichkeit finden. Außerdem verbergen sie sich so gut in den Pflanzen,
dass sie beim Sprühen schlecht erfasst werden können. Daher ist auch ein
vollständiges Entfernen durch Abwischen der Schädlinge mit Alkohol oder
Seifenlauge nicht oder kaum möglich. Die Bekämpfung frei beweglicher Junglarven
und ausschlüpfender Tiere ist die einzige Möglichkeit, die nachwachsende
Population auf Dauer zu vernichten. Dabei muss die Behandlung 2-3mal im Abstand
von ca. 2 Wochen je nach Mittel wiederholt werden, da die Eier selber nicht
abgetötet werden können. Auch sollte das Spritzmittel gewechselt werden, um
Resistenzen zu vermeiden. Letztendlich ist die einzig effektive
Methode zur Bekämpfung von Schmier- und Wollläusen der Einsatz eines
über die Wurzel systemisch wirkenden Pflanzenschutzmittels.
Das Mittel wird über die Wurzeln oder auch Blätter der Pflanze aufgenommen und
kann über einen gewissen Zeitraum bis zu 2 Wochen in der Pflanze wirksam
bleiben. Dazu werden die Töpfe mit den befallenen Pflanzen kräftig gegossen.
Ein Tauchen in einer Brühe des Mittels vor allem über längere Zeit sollte nicht
erfolgen, um Wurzelschäden zu vermeiden. Für die diesbezüglich relativ
empfindlichen Orchideen haben sich in Langzeitversuchen nur wenige speziell
systemisch wirkende und auch für den Hausgebrauch geeignete relativ
ungefährliche Pflanzenschutzmittel wie z.B. Combi XX von Bayer bewährt.
Empfehlenswert ist jedoch immer, das jeweilige zur Anwendung kommende Pflanzenschutzmittel
vorher vorsichtig auf Verträglichkeit zu prüfen!
Für Thripse und Spinnmilben gilt ähnliches! Sie
bevorzugen warme und trockene Luft, sodass bei Anhebung der Luftfeuchtigkeit
auf 70% (in der Zimmerkultur schwierig!) diese zurückgedrängt werden und so ein
neuerliches Auftreten vermieden werden kann!
Der Einsatz von Mitteln auf biologischer Basis ist nur
im Anfangsstadium des Schädlingsbefalls sinnvoll und kann bei konsequenter
Anwendung zum Erfolg führen!
PILZBEFALL
Wie im Falle der Schädlinge so gibt es auch eine
Vielzahl von Pilzen, welche die Orchideen befallen können. Pilze, die sich auf
Kosten der Wirtspflanze ernähren, nennt man Parasiten. Parasiten können auch in
Symbiose mit der Orchidee leben. Sie bilden so eine Stoffwechselgemeinschaft,
aus der beide Partner ihren Nutzen ziehen. Ohne diese so genannte Mykorrhiza
müssten Orchideenkeimlinge verkümmern.
Der Mykorrhizapilz kann jedoch auch das Leben der Pflanze bedrohen.
Die parasitäre Schwarzfäule - verursacht
durch den Pythium- oder Phytophtera-Pilz - tritt bevorzugt an Jungpflanzen und
älteren Orchideen auf. Er befällt alle Teile der Pflanze, wobei dies sowohl von
der Wurzel als auch von der Bulbe an fortschreitend beginnen kann. Er wird in
seinem Entstehen und Wachstum durch ein gleichmäßig feuchtes, nasses Substrat
sowohl bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit als auch bei kühlem
feuchtem Wetter gefördert. Spritzwasser kann dabei die Sporen leicht von Topf
zu Topf übertragen. Man sollte also im Falle eines Befalls die Orchideen
unbedingt trockener halten. Zersetztes Substrat, das die Feuchtigkeit zu lange
hält, sollte umgehend ersetzt werden, damit eine rasche Austrocknung nach dem
Gießen erfolgen kann! Ebenso sollten die Pflanzen hell gestellt werden, da sie
so mehr Wasser verbrauchen und somit schneller abtrocknen. Lichtmangel erhöht
zudem die Anfälligkeit gegen diese Pilze. Neben diesen Kulturmaßnahmen ist auch
eine chemische Bekämpfung mit einem systemisch wirkenden Fungizid wie z.B.
Previcur eine gute Möglichkeit! In einer Konzentration von ca. 1ml auf 1l
Gießwasser wird es von Orchideen sehr gut vertragen. Auch eine vorbeugende
Behandlung ist so empfehlenswert.
Bei Phalaenopsis ist
eine spezielle Wurzelfäule bekannt, die durch den
Fusarium-Pilz verursacht wird. Er wird zu Beginn an kleinen gelbbraunen
Läsionen (Risse), die zu dunkelbraunen Faulstellen und dann zu tiefen
Einschnürungen führen, an der Wurzel erkannt. Die Wurzel stirbt von dieser
Stelle aus ab. Der Pilz breitet sich langsam von den kranken Wurzeln über die
einzelnen Blätter bis zur Sprossspitze aus. So wird die Pflanze schließlich völlig
zerstört. Ein sehr langsamer Verlauf ist typisch, sodass man den Befall häufig
erst sehr spät bemerkt. Die Bekämpfung des Pilzes gelingt nur im frühen Stadium
durch ein systemisch wirkendes Fungizid wie Z.B.Previcur (s.o.).
Blattfleckenkrankheiten werden
ebenfalls von Pilzen verursacht, Botrytis- Pilze können auch die Blüten von
bspw. Cattleya befallen. Die Ursache liegt in der Regel immer an einer
anhaltend zu hohen Feuchtigkeit.

Das Bild zeigt einen starken Befall von Wollläusen einer Cattleya, deren Bekämpfung nur noch mit einem systemisch wirkenden Pflanzenschutzmittel gelingen kann.
Aussaat von Orchideensamen bis zur Jungpflanze
Die Vermehrung von Orchideen kann entweder vegetativ
oder generativ erfolgen.
Orchideen lassen sich vegetativ durch Teilung der
Pflanzen, Heranziehen aus Rückbulben und durch Gewebekultur (fälschlich als Meristemkultur
bezeichnet) vermehren. Bei der Gewebekultur werden Jungpflanzen mit gleichem
Erbgut sog. “Mericlone“ in großer Vielzahl erhalten. Diese Methode
ist jedoch sehr zeit- und kostenintensiv!
Die generative
Vermehrung erfolgt durch Aussaat von
Orchideensamen auf künstliche Nährböden.
In der Kultur wird Orchideensamen
durch Handbestäubung erhalten. Dabei wird der
Pollen von einer Blüte auf die Narbe einer anderen Blüte bspw. mittels eines Zahnstochers übertragen. Ist dies erfolgreich,
schwillt der Fruchtknoten an. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten reift
eine Samenkapsel heran (im Falle einer Cattleya
etwa 6 – 15 Monate je nach Art). Diese kann je nach Größe und Entwicklung im
Falle von Cattleya labiata z.B. 2-3 Millionen Samen
enthalten, da der Samen selber außerordentlich klein ist (1000 Samen wiegen
etwa 2 mg). Da der Samen ohne jegliches Nährgewebe ausgestattet ist, ist er zur
ersten Ernährung nach der Keimung auf spezielle Wurzelpilze („Mykorrhizapilze“)
angewiesen. Ansonsten würde er rasch verkümmern.
Auch bei der Aussaat des
Samens im Labor muss dies berücksichtigt werden. Orchideensamen können dabei entweder symbiotisch oder
asymbiotisch vermehrt werden. Bei der symbiotischen
Vermehrung wird der Samen in Kontakt gebracht mit dem Mykorrhizapilz. Dies kann z.B. so geschehen, dass er direkt
auf das Substrat der Mutterpflanze
aufgetragen wird. Die Verhältnisse sind so vergleichbar mit denen am
Naturstandort. Die Ausbeute an Sämlingen ist jedoch außerordentlich gering. Der
Mykhorrizapilz kann auch isoliert und vermehrt werden, um so eine höhere
Ausbeute an Sämlingen zu erzielen.
Das bei weitem wichtigere
Vermehrungsverfahren ist jedoch die asymbiotische
Aussaat, die mit den Untersuchungen von Knudson 1922 möglich geworden
sind. Dabei wird der Mykorrhizapilz durch Zucker im Nährboden künstlich ersetzt
– eine Symbiose mit dem Pilz ist so nicht mehr nötig!
Die Vermehrung kann entweder
mit unreifem (green pod) oder traditionell mit reifem Samen aus aufplatzenden Früchten durchgeführt
werden. Vor allem bei der traditionellen Methode ist es notwendig, das Saatgut gründlich
zu sterilisieren. Dies geschieht zweckmäßig in
einer Glasfritte, in die das Saatgut eingefüllt und frische Desinfektionslösung
in der Regel 0,3 % ige Natriumhypo-chloritlösung aufgegossen wird. Nach einer
notwendigen Einwirkungszeit kann dann der Samen steril mit einem Spatel
entnommen werden. Dieser wird dann am Besten in einer Reinen
Werkbank (clean bench) auf der Oberfläche eines Nährmediums möglichst
gleichmäßig verteilt.
Das Nährmedium wird zuvor
unter sterilen Bedingungen hergestellt und in spezielle keimfreie Gefäße bspw.
Becher mit einer Ent-/Belüftungsmöglichkeit im Deckel abgefüllt. Als Rezepturen für Nährböden haben sich bis heute die von
Burgeff und Knudson z.B. aus Bananen, Kartoffeln, Zucker, Dünger, Kohle und Agar Agar bestehend bewährt.
Der pH-Wert des Mediums sollte genau bei 5,6 liegen, damit sich der Samen zum
Keimling optimal entwickeln kann!
Für die Keimung sind Temperaturen um 22-25°C bei einer relativ
geringen Beleuchtungsstärke (1000 – 5000 Lux) günstig. Sie setzt innerhalb von
ein – vier Wochen ein. So entsteht zunächst eine je nach Aussaatdichte mehr oder weniger zusammenhängende grünliche
Masse (Protokorme). Diese Protokorme werden nun
aus den Gefäßen unter sterilen Bedingungen entnommen und auf einen neuen
Nährboden aufgebracht (umgelegt). Die dicht
heranwachsenden Sämlinge werden dann je nach Wachstum nochmals vereinzelt in
frische Becher umgelegt. So wird gewährleistet, dass die Jungpflanzen sich
kräftig entwickeln können und nicht infolge Platz- und Nahrungsmangels
überständig werden.
Gut entwickelte Sämlinge sollten nun zügig auspikiert
werden. Dazu werden sie aus den Bechern entnommen und durch Auswaschen mit handwarmen
Wasser von Agarresten befreit. Anschließend sollten die Jungpflänzchen mit einem Fungizid bspw. Previcur oder Physan behandelt
werden. Letzteres verhindert auch bakterielle Schäden.
Danach werden sie auf ein
feines und sehr lockeres, aber strukturbeständiges und gut wasserdurchlässiges
Substrat gesetzt.
Der pH-Wert des Substrates
sollte dabei 5-6 angelehnt an die Wachstumsbedingungen im Nährmedium betragen. Die
jungen Pflanzen sollten nun gut feucht gehalten und nicht zu starkem Licht (auf
keinen Fall direkter Sonne!) und Wärme ausgesetzt werden. Auf eine Austrocknung
infolge Verdunstung ist unbedingt zu achten!

Eine Samenkapsel von Catasetum osculatum auf der Abbildung kann bis zu 3 Millionen Orchideensamen enthalten!
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